Eine kurze Baugeschichte

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Die Betzinger Mauritiuskirche wurde vermutlich um das Jahr 1000 erbaut. Aus dieser Zeit stammt der Turm mit den doppelten, von zierlichen Säulen gestützten Schallarkaden und den Rundbogenfriesen. Der Kopf (das Kapitell) der kleinen Säule zwischen den beiden Bogenfenstern ist besonders interessant gestaltet und weist in die frühromanische Zeit, so dass Kunsthistoriker den Anfang des 11. Jahrhunderts als die Entstehungszeit des Kirchturms annehmen. Sein charakteristisches Rhombendach stammt jedoch erst aus dem 13. Jh. und wurde bei einer späteren Erhöhung des Turmes beibehalten. Diese Dachform ist im württembergischen Raum selten anzutreffen, während sie in Gebieten am Rhein häufig verwendet wurde.

Dass es sich um eine Mauritiuskirche handelt, ist durch ein Siegel des Betzinger Pfarrers Heinrich an einer Urkunde des Klosters Bebenhausen aus den Jahren 1316/17 belegt, das den heiligen Mauritius zeigt.

Um das Jahr 1000, unter den sächsischen Kaisern, hatte die Mauritiusverehrung seinen Höhepunkt. Gerade auch im Bistum Konstanz, zu dem Betzingen damals gehörte, wurden nach Übernahme von Reliquien des Hl. Mauritius ihm ungefähr 40 Kirchen geweiht, darunter auch die Betzinger Kirche.

Mauritius (davon abgeleitet Moritz), Anführer der Thebäischen Legion (genannt nach der Stadt Theben in Ägypten), wurde mit allen seinen Legionären um 300 n. Chr. getötet, weil er sich dem Befehl Kaiser Maximians widersetzte, Christen zu töten. Er war Afrikaner in römischen Diensten. (siehe auch auf der Seite Hl. Mauritius)

1499-1505 wurde die Kirche (das heutige Langhaus), merkwürdigerweise ohne Chor, auf den Fundamenten der ersten Kirche neu erbaut. Die drei hohen Fenster der Südseite und das mittlere der Nordseite (die beiden anderen sind von 1905) zeigen in ihren Maßwerken spätgotische Stilformen, ebenso der südliche Haupteingang und das Westportal in den sich überkreuzenden Rundstäben. Baumeister war der durch Steinmetzzeichen ausgewiesene Clas Binnder, der vermutlich aus der Uracher Bauhütte kam.

Erst anfangs des 18. Jahrhunderts wurde ein kleiner Chor in Fachwerk an das Kirchenschiff angebaut. 1905 wurde die Kirche renoviert und vergrößert: Die Ostwand und der Choranbau des 18. Jahrhunderts wurden abgerissen und Querschiff, Chor und Sakristei im neugotischen Stil errichtet. Die Architekten waren Theophil Frey und Johannes Müller aus Stuttgart.

Steinmetzzeichen des Clas Binnder am Portal an der Südseite.